VielfaltsBlog

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Hier werde ich von Zeit zu Zeit etwas bloggen. Anders als andere Blogger werde ich mich nicht einem Thema widmen, sondern alles was mich bewegt oder beschäftigt mit euch teilen.
Das Themenspektrum wird von meinem Beruf als Lehrer über die Ereignisse in meiner Depression bis hin zu privaten und politischen Themen reichen, aber auch ganz Belangloses (Kinobesuche) oder Banales (Mein Butterbrot hat keine Kruste) soll hier Thema sein.

Weihnachten und andere Katastrophen

WeihnachtenPosted by Vollmers-Vielfalt.de Sun, December 24, 2017 10:37:52

Teil 2/2
Im Krankenwagen wachte ich auf. Mir brummte der Schädel und mein rechter Arm war in eine Schiene gelegt. Ich schaute auf und hörte in der Ferne die Stimme meiner Frau. Sie streichelte mir über den Kopf und gab mir zu verstehen, dass ich nun auf dem Weg ins Krankenhaus sei und ich einen gebrochenen Arm hätte. Es war der Arm, den ich mir bei der Hundeattacke verdreht hatte. Später erfuhr ich, dass ich die Geschwindigkeit nicht richtig abgeschätzt hatte und von der Piste abgekommen war und frontal mit einem Baum Bekanntschaft machte. Angeblich habe ich Glück gehabt, dass ich nur einen gebrochenen Arm davon getragen habe. Der Schlitten war dafür aber wohl in viele kleine Einzelteile geborsten und lag nun irgendwo neben der Piste.

Ich wurde zu meinem Leidwesen direkt nach dem Röntgen und Eingipsen meines Armes wieder entlassen und so musste ich den „Heiligen Abend“ mit meiner Familie verbringen. Mein Schwager holte mich aus dem Krankenhaus ab. Ohne ein Wort zu sagen, stieg ich in seinen Familienbomber und wir fuhren nach Hause. Erneut stieß er meinen kleinen roten Flitzer an. Ich sagte nichts. Ich ging durch meine Haustür. Zu meinem Glück wirkten die Schmerztabletten noch und versetzten mich in eine Art Rauschzustand. Wie ein Wunder war mein komplettes Haus in eine warme und weihnachtliche Stimmung versetzt worden. Der Tannenbaum in der Stube war mit Weihnachtsschmuck geschmückt worden und die Weihnachtsgeschenke lagen darunter. Daneben war der Stubentisch für das Abendbrot gedeckt und im ganzen Haus roch es nach Marzipan mit einer Mischung von Braten, den meine Eltern und meine Schwiegereltern zubereiteten. Es war zu schön um wahr zu sein. Die Kinder waren alle gewaschen und der Kamin loderte. Es war ein wenig gespenstisch, aber wunderschön.

Ich ging mich waschen und versuchte irgendwie frische Kleidung anzuziehen, was mir nicht wirklich gelang. Meine Frau stand mir zur Seite und half mir in meine Klamotten. Ein frisches Hemd und warme Socken waren jetzt das, was ich brauchte. Bei der Hose musste sie mir dann noch mal zu Hand gehen, da ich die Knöpfe nicht zu knöpfen konnte.

Nachdem dies erledigt war, setzte ich mich in die Stube in meinen Sessel und genoss das Feuerspiel in meinem Kamin. Die Tanten holten das Essen herein und mit freudiger Stimme wurde von meiner Mutter zum Essen gerufen: „Kinder essen.“ Über das Essen will ich nicht viele Worte verlieren, nur so viel, dass mir alles klein geschnitten werden musste und ich nur die linke Hand zur Verfügung hatte. Es war nicht ganz einfach. Nach dem Essen machte mein Vater die Kerzen am Weihnachtsbaum an. Nicht, dass ich keine elektrische Kerzen besaß, aber meine Eltern bestanden immer darauf den Weihnachtsbaum mit Wachskerzen zu schmücken. Das hätte was Weihnachtliches. Ich ließ es wie jedes Jahr geschehen. Was sollte ich mich jetzt noch darüber auf regen? Es hatte keinen Zweck.

Mein Vater schaffte es alle Kerzen anzumachen und so ging es mit Kirchengeläut aus der Musikanlage zur Bescherung. Wie die Aasgeier auf ein totes Tier, so könnte man sich nun die folgende Szene, die sich unter dem Tannenbaum abspielte, beschreiben. Früher musste ich immer noch wenigstens ein Gedicht aufsagen, aber die Kinder stürzten sich auf die Geschenke, ohne etwas dafür zu tun.

Ich überreichte meiner Frau mein Geschenk und ich erhielt wie jedes Jahr von meiner Frau ein neues Hemd plus einer neuen Krawatte. So wurden die Geschenke ausgetauscht und gemeinsam ein paar Weihnachtslieder geträllert.

Als sich dann alle gemütlich vor den Kamin setzten, herrschte Frieden und langsam ließen meine Schmerztabletten nach. Nicht, dass das Schlimm gewesen wäre, aber die Zufriedenheit in mir ließ damit auch nach.

Zu meinem und meiner Frau Übel versuchte dann noch mein Schwiegervater die Kerzen am Tannenbaum zu löschen, da nun langsam alle ins Bett gehen sollten, damit morgen wieder alle Fit zur Weihnachtswanderung, die jedes Jahr stattfand, sein würden.

Mein Schwiegervater streckte und reckte sich, verlor das Gleichgewicht und fiel in den Baum. Dieser brach in der Mitte in zwei und stürzte in die Gardine, die so gleich Feuer fing. Mein Vater, geistesgegenwärtig, schüttete den Inhalt seines Glases auf die Flammen, die dementsprechend aufloderten und mit einer Stichflamme meine Decke tief schwarz färbte. Es war sein neuer Cognac gewesen, den er ins Feuer kippte. Der Bruder meiner Frau sprang mit zwei Sätzen in die Küche, während der Rest der Familie schreiend und kreischend aus dem Haus lief. Ich saß auf meinem Stuhl und schüttelte nur den Kopf. Mein Schwager kam mit einem Schlauch in die Stube und löschte den Baum mit einer übermäßig großen Wasserladung aus dem Wasserhahn in der Küche. Er war der Held des Tages.

Nachdem alle wieder in der Wärme waren, begutachtete mein Vater mit dem Schwiegervater den Schaden. Die Gardine war nur noch ein Aschehaufen, die Tapete hatte sich von Weiß in ein tiefes Schwarz gefärbt und der Tannenbaum war nur noch als Brennholz zu gebrauchen. Wir gingen alle zu Bett, um uns zu beruhigen. Ich hatte mich mit einer Flasche Rotwein ruhig gestellt und ging nun nach den Aufräumarbeiten mit meiner Frau in den Keller. Wir kamen bis zur letzten Stufe, als wir erkannten, dass unser Schlafplatz vom Hund komplett auseinander genommen worden war und sich ein Wasserstreifen von der Decke bis hin zum Waschmaschine und zum Trockner zog. Ich hatte mich schon gewundert, warum das Licht im Keller nicht anging.

Jetzt wusste ich es, denn der Sicherungskasten war über dem Trockner und daraus war nur ein leichtes Knistern zu vernehmen. Ich schaute nur meine Frau an und sie sagte in wenigen Worten: „Wir nehmen uns ein Hotel.“

Ich nickte nur im Rotweinrausch und wir machten auf der Stelle kehrt, ließen den Hund im Dunkel zurück und tappten die Treppe hoch. Wir fuhren in ein Hotel. Als wir dort ankamen, schlossen wir die Hotelzimmertür ab und kamen bis zum Jahresende nicht mehr heraus. Wir überließen das Haus seinem Schicksal und den Händen unserer Familie. Sylvester feierten wir dann gemeinsam im Bett und erst zum Tag der Heiligen Drei Könige verließen wir das Hotelzimmer wieder. Wir fuhren mit dem Taxi zu unserem Haus. Es stand noch und die Garagentür war repariert. Wir kamen ins Haus und die gesamte Familie saß an meinem Kamin und begrüßte uns. Das Wohnzimmer war renoviert.

Seit diesem Weihnachten feierten wir Weihnachten nur noch alleine.

Nun ist meine Frau schon seit einem halben Jahr tot und wieder habe ich mir meine Familie eingeladen. Vielleicht geben sie mir ja den Gnadenschuss.



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Weihnachten und andere Katastrophen

WeihnachtenPosted by Vollmers-Vielfalt.de Sun, December 17, 2017 10:33:51

Teil 1/2
Weihnachten, was für eine großartige und warmherzige Zeit. Klirrende Kälte, ja und manchmal liegt auch ein wenig Schnee auf den Straßen und mit etwas Glück sogar auf ein paar Hängen, so dass die Kinder manchmal quietschvergnügt auf einem Schlitten bis ins Krankenhaus fahren. Kreischende Kinder, die ihren Schneemann mit Matschepampe, von Abgasen belasteten, am Straßenrand liegenden Schnee bauen und mit dem fast geschmolzenen und mit Eisstücken durchsetzten Schnee richtige Schneeballschlachten auf Schulhöfen, Hinterhöfen und Spielplätzen veranstalten. Jedermann/-frau genießt diese Zeit, eine rundum glückliche und friedfertige Zeit im Monat Dezember, wenn da nicht das Schreckliche am Tag vor Heilig Abend passieren würde. Der Anfang vom Ende des schönen Weihnachtsfestes, welches ich seit meiner Kindheit nicht mehr geruhsam und besinnlich feiern konnte. Soweit ich weiß eigentlich nie.

Jedes Jahr machten meine Frau und ich den gleichen Fehler, statt gemütlich, alleine am Kaminfeuer zu sitzen und den himmlischen Klängen des Plattenspielers zu lauschen, luden wir die gesamte Verwandtschaft zu einem köstlichen, prachtvollen und überdimensionalen Weihnachtsfestschmaus ein. Jedes Jahr explodiert spätestens am 1.Weihnachtstag um die Mittagszeit die Weihnachtsbombe. Ich will nicht den Teufel an die Wand malen, aber es hat sich in den letzten Jahrzehnten nur eins geändert, die Anzahl der zu stopfenden Mäuler, die am Festschmaus teilnahmen. Natürlich ist es immer schön, die gesamte Familie an den heiligen Festtagen um sich zu haben, mit ihnen zu feiern und das Jesuskind und den Weihnachtsmann von der Limonadenfirma vom amerikanischen Kontinent zu begießen. Aber man sieht sich schließlich nur einmal im Jahr.

Doch was dieses Jahr vorgefallen ist, dass glaubt mir wirklich kein Mensch, der nicht schon mal mit der gesamten Familie die Weihnachtstage verbracht hat.

Wie jedes Jahr reiste der Bruder meiner Frau mit seinen Blagen als aller Erstes an, wie immer zwei oder gar drei Stunden vor der vereinbarten Zeit. Dieses Mal war ich vorbereitet. Ich hatte schon am frühen Morgen die Einfahrt frei geschippt, meinen Wagen in die Garage gefahren und die Auffahrt mit Salz eisfrei gestreut. So konnte er sich dieses Mal wenigstens nicht darüber beschweren, dass ich morgens meinen Hintern nicht aus dem Bett bekommen hätte um wenigstens die Einfahrt für ihn frei zu machen. Aber als er dann mit seinem neuen schwedischen Familienbomber die Auffahrt zweieinhalb Stunden früher, als vereinbart, herauf fuhr, wurde mir bewusst, dass es ein großer Fehler gewesen war, dass ich die Einfahrt frei geschippt hatte. So schoss er mit überhöhter Geschwindigkeit in die Einfahrt und bemerkt viel zu spät, dass ich dieses Jahr endlich mal rechtzeitig die Einfahrt frei geschaufelt hatte, und schoss mit seiner überdimensionale Karre direkt in meine Garage. Er riss meine Garagentore komplett aus den Fugen, stieß meinen kleinen roten Flitzer mit so einer Wucht an, dass dieser mit seiner Schnauze direkt an die niegelnagelneue Werkbank knallte, so dass ich diese wohl vergessen konnte, samt der Frontpartie meines roten italienischen Zweisitzers. Ich hatte ihn mir während meiner Midlifekrises gegönnt, während andere sich eine junge vollbusige Blondie gönnten, wollte ich schon immer dieses Prestige Objekt eines Vehikels besitzen. Fuhren tat ich ihn äußerst selten.

„Hey Kumpel! Ich bin echt überrascht, dass du es tatsächlich endlich einmal geschafft hast, die Einfahrt frei zu schaufeln. Ich bin stolz auf dich. Vergiss die Delle an meinem Auto, habe ja noch Garantie drauf,“ ich stand fassungslos vor seiner Karre und griff mir mit meinen in Handschuhen steckenden Hände ins noch dichte Haar, die durch die Feiertage nicht nur lichter werden sollten, sondern auch in ein schneeweißes Grau übergehen sollten.

„Atme tief durch, es sind nur 4 Tage, die wirst du schon überleben“, sagte meine Frau mit flüsternder und beruhigender Stimme zu mir und strich mir über die Wange. Ich versuchte zu lächeln und zwang mich meine Wut herunter zu schlucken. „Ach, ist schon okay. Passiert jedem einmal“, antwortete ich dem Proleten. Nur zähneknirschend und fäusteballend brachte ich die Worte über meine blauen und fröstelnden Lippen. Die ersten Gedanken, die ich hatte, wenn ich ihn sah, waren: „Und wie ich diesen Volli... nicht leiden kann.“

Sie stiegen aus. Nicht nur, dass seine Frau ihre Blagen mitgebracht hatte, irgendwo zwischen Vordersitz und Rückbank hatte sich auch noch die Mutter der Frau des Bruders meiner Frau versteckt und kletterte mit ihrem Gehstock aus dem Auto. Sie lächelte nur in einer abwesenden Art und Weise.

„Hey Alter, ist doch schon okay, wenn ich meine Schwiegermutter mitgebracht habe? Sie ist leicht senil, daher konnten wir sie nicht alleine lassen." fragte er mich und gab auch gleich die Antwort.

Meine Gedanken: „Wofür gibt es denn Altersheime?“

Dieses Jahr Weihnachten fing sichtlich sehr bescheiden für mich und meine Frau an und eigentlich hätte ich hier schon alles beenden sollen, doch eine Einladung war eine Einladung und warum wir uns das jedes Jahr antaten, konnten wir nicht beantworten. Es war halt Familie.

Natürlich ließen wir alle ins Haus, was sollten wir auch machen. Sie flegelten sich sofort, wie übrigens jedes Jahr, auf das Sofa vor meinen Kamin. Sie besaßen nicht einmal den Anstand, sich die Füße abzutreten. Die Schwiegermutter der Frau meines Schwagers setzte sich fast scheintot in meinen Sessel und schaute in die flackernden Flammen meines neu renovierten Kamins. Ich behielt die Ruhe und biss mir dabei leicht, dennoch fest auf die Unterlippe.

Als es zur verabredeten Zeit um 18:00 Uhr an der Tür erneut klingelte und meine Eltern, wie immer pünktlich auf die Minute, in der Tür standen, waren schon meine Schwiegereltern, meine Schwester mit Mann und ihren Kinder im Teenageralter, zwei Tanten deren Haltbarkeitsdatum auch schon weit überschritten war und zwei Cousins meiner Frau im Haus.

„Hallo, mein Kind“, sagte meine Mutter mit überfreundlicher, überschwänglicher und festtagstauglicher Stimme. Sie umarmte mich, küsste mich mit gespitzten Lippen auf die Wange, so dass der rote Lippenstift von ihren Lippen an meiner förmlich kleben blieb und erst mit drei- bis vier Vollwaschgängen zu entfernen war. Auch diese Personen ließ ich in mein doch so weihnachtliches Haus.

Freudestrahlend fielen sich die Verwandten in die Arme und begrüßten sich mit herzlichen Küssen und innigen Umarmungen. Meine Mutter lobte mein schön, geschmackvoll, geschmücktes Haus und mein Vater streichelte etwas neidisch über mein noch dichtes Haar. So war der erste Abend recht gut gelungen. So bald wir alle auf unsere wenigen Zimmer und Betten verteilt hatten, traf man sich zum gemütlichem Beieinandersein in der Stube am Kaminfeuer. Die Kinder wurden mit einer Spielekonsole vor dem Fernseher ruhig gestellt und der ältere Teil der Familie unterhielt sich über das vergangene Jahr. Meine Schwester gab mit ihrer Firma in Hamburg an. „Ach wie sie doch florierte und wie viel Geld sie doch damit machte.“ Der Bruder meiner Frau redete ununterbrochen über seinen 260 PS starken skandinavischen Familienbomber. Die Schwiegereltern und meine Eltern redeten über die verschiedensten Reiseziele, die sie dieses Jahr besucht hatten und nächstes Jahr unbedingt noch erreichen wollten. Die beiden älteren Tanten saßen wie die Schwiegermutter meines Schwagers einfach nur stumm da, wie jedes Jahr, und sahen sich mit einem sehr besinnlichen Lächeln auf den Lippen das Feuerspiel in meinem Kamin an.

Wie immer bei solchen Anlässen wurde viel Rotwein von den Damen getrunken und zu viel Bier von den Männern. Gegen 23:00 Uhr begaben sich dann alle ins Bett, so dass ich drei Kreuze auf dem Kalender machte, als ich mit meiner Frau im Keller auf den Luftmatratzen lag, da wir unser Schlafzimmer wie jedes Jahr ihren Eltern zur Verfügung gestellt hatten. Ein kurzes und entnervtes: „Ich liebe dich“, und schon schlummerten wir auf den unbequemen Matratzen und träumten von einer besinnlichen Weihnacht.

Gegen sechs Uhr morgens weckte mich der Wecker, da meine Frau mich dazu bestimmt hatte frische Brötchen vom Bäcker zu besorgen. Ich quälte mich dann so ganz langsam die Kellertreppe hinauf und wollte die Tür zum Erdgeschoss öffnen, als wildes und kräftiges Gekläffe, und dazugehörige fletschende Zähne mich die Treppe wieder hinunter beförderten. Nicht genug, dass ich mir unwahrscheinlich derbe den Kopf am dem Geländer stieß und mir mehrere Rippenprellungen und einen verdrehten Arm zuzog, da saß dieses sabbernde und zirka 60 Pfund schwere Ding auch noch auf mir und legte seine Schnauze um meinen Hals, knurrte und abberte meinen Hals voll. Meine Frau schrie, von dem Riesenhund aufgeschreckt. „Paco, Paco, Paco! Bei Fuß, sag ich, kommst du wohl hier her?“, hörte ich die Stimme einer der zwei Tanten meiner Frau. Der Hund gehorchte ihr aufs Wort, ließ meine Kehle los und kletterte die Treppe zu den Füßen der Tante hinauf. Ich versuchte mich in irgendeiner Art und Weise aufzurichten, welches mir auch nach kurzer Zeit gelang. Ich schaute die Tante verdutzt an. Sie hatte am letzten Abend kein Wort gesagt. Nichts kam über ihre Lippen. Kein Laut. Sie hatte diesen Hund nicht einmal erwähnt. Als ich sie im Laufe des Vormittags in meiner Küche darauf ansprach, verfiel sie wieder in ihr altes Stadium. Hätte mich auch gewundert, wenn sie mir geantwortet hätte. Sie sagte nichts und schaute wieder nur stumm in die Gegend.

Als der Frühstückstisch gedeckt war und die gesamte Familie sich um diesen versammelt hatte, brach ein wenig Weihnachtsstimmung aus. Der Hund war in den Keller verbannt, die Tanten saßen stumm auf ihren Stühlen und nuckelten an ihren Brötchen und die Teenager nervten, dass sie unbedingt Schlitten fahren wollten. Meine Frau, meine Schwester, die Frau vom Bruder meiner Frau und die beiden Tanten entschlossen sich dazu, dass sie mit den Teenagern mitgehen wollten, um ein wenig frische Luft zu schnappen.

Ich hingegen war fast froh, dass ich einen ruhigen Nachmittag mit dem Schmücken des Weihnachtsbaumes verbringen dürfte, aber meine Eltern und die Schwiegereltern schickten mich gleich mit. „Junge, amüsiere dich, wer weiß, wann du das nächste Mal, die Chance hast, noch mal einmal Schlitten zu fahren. Denn denk an dein Alter“, überredete mich meine Mutter.

Ich schüttelte nur den Kopf und schluckte die Bemerkung mit dem Alter einfach herunter. Ich reagierte nicht drauf, obwohl es mich sehr tief traf. Nun ja, das Ende vom Lied war, das ich mit der Sippe zur Schlittenbahn fuhr. Das wäre auch nicht so schlimm gewesen, wenn nicht überall dieser verdammte Schnee gelegen hätte. Alles war weiß. Es hatte in der Nacht noch einmal richtig nachgeschneit und die gesamte Landschaft war nun in ein schönes strahlendes Weiß getaucht. Leichter Schneefall war noch zu vernehmen und langsam wuchs die gesamte Schneedecke auf fast über 50 cm. Die Schlittenbahn war auf dem „Weihnachtsgipfel“ so hieß der Berg, selbst zu den Ostertagen trug er diesen Namen. Nichts ahnend kletterten wir langsam mit unserer Gruppe den Berg hinauf. Es war schwierig und am Ende hatte ich an jedem Arm eine der Tanten und schleppte sie mit nach oben. Die Kinder waren schon oben und heizten mit irrem Tempo die Bahn hinunter. Sie zischten an uns vorbei und jubelten und grölten, was ihre Kehlen hergaben. Ein himmlischer Moment, auch wenn ich wie ein packesel bepackt war.

Schließlich erreichte auch ich den Gipfel mit den Tanten am Arm, meiner Frau und meiner Schwägerin. Oben war eine kleine Hütte, in der man heißen Kakao und andere warme Getränke zu sich nehmen konnte. Wir setzten uns erst einmal hinein, bis einer der Gören von meinem Schwager hineinstürmte. Dem Jungen lief der Sabber über das Gesicht und er weinte bitterlich. Man konnte kein Wort verstehen, nichts aber auch gar kein Wort. Nur immer wieder wie er Tränen überströmt seine Nase hoch zog.

„Also, mein lieber Göttergatte, könntest du als Onkel dich nicht mal darum kümmern?“, fragte meine Frau mit zärtlicher und liebevoller Stimme.

Leicht entnervt nickte ich und ging mit meinem Neffen hinaus in die eisige Kälte. Da erkannte ich was diesen Bengel so zum Heulen gebracht hatte. Sein Holzschlitten, eigentlich war es mein Holzschlitten, den ich mit 10 Jahren von meinem ersparten Taschengeld gekauft hatte, war etwas demoliert. Es ärgerte mich nicht nur, sondern in mir stieg Wut auf. Dieser Schlitten war über 25 Jahre alt und ich war einige Male mit ihm die verschiedensten Berge hinunter gesaust und dieser Bengel hatte ihn keine Dreiviertelstunde in den Fingern und schon war die rechte Kufe nicht mehr in der Lage vernünftig über den Schnee zu schlittern.

Ich zeigte meinem kleinen Neffe aus Trotz nur den Mittelfinger und sagte: „Weißt du was, ich hasse Kinder. Ihr macht mir immer alles kaputt und ich könnte euch......“

Das Ergebnis war, dass der Bengel noch mehr heulte und zu seiner Mutter lief. Ich setzte mich auf eine schneebedeckte Bank und versuchte zu retten, was zu retten war. Bis auf einmal meine Schwägerin vor mir stand. „Sag mal, hast du noch alle? Du kannst doch meinem Sohn nicht den Mittelfinger zeigen!“

„Nein, kann ich nicht? Hab ich trotzdem“, gab ich sarkastisch, ohne von meinen Reparaturarbeiten aufzublicken, zurück.

„Du bist doch wohl das unsensibelste Geschöpf, was ich kenne.“

„Du kennst doch eh nicht viele Menschen“, sagte ich kurz aufblickend und hatte die Reparaturarbeiten fast abgeschlossen. Nun kamen auch noch meine Frau und die Tanten hinzu. „Was anderes kann man ja auch nicht von deinem Mann erwarten“, sagte eine der Tanten zu meiner Frau.

In mir stieg nun nicht nur Wut, sondern auch noch Verzweiflung auf; was für eine kranke Familie ich doch hatte. Meine Frau schaute mich vorwurfsvoll an. Ich zuckte mit den Schultern und meine kleine Nichte kam vom Schlittenfahren hinzu.

„Ist der Schlitten nun wieder heile?“. fragte sie mit ihrer zuckersüßen Stimme.

„Ja, der Onkel hat den Schlitten wieder repariert“, sagte ich ihr.

„Dann kann ich jetzt mit dir hinunter fahren?“ fragte sie mit lieben und zuckersüßen Augen.

„Sicher“, sagte ich. Ich war ehrlich froh, dass die Kleine kam und mich erlöste. Wir sprachen uns kurz ab und wollten uns dann im Haus treffen. Mein kleiner Neffe lag in den Armen seiner Mutter und schniefte in ihren Mantel.

Meine Frau sagte noch: „Pass auf dich auf und achte auf die Fußgänger.“ Als ob ich nicht wüsste, wie man einen Schlitten lenkte. Ich hatte es zwar seit einigen Jahren nicht mehr getan, aber meine kleine Nichte sollte ich doch noch bei der Abfahrt überholen können. Sie brauste los. Ich nahm drei Schritte Anlauf und sprang mit dem Bauch voran auf den Schlitten und ab ging die Post.

Das Reparieren und das Wachsen der Kufen hatte sich eindeutig ausgezahlt und so rauschte ich mit einem sehr hohen Tempo an den Passanten vorbei. In der Ferne sah ich meine kleine Nichte schnell näher kommen.

Ende Teil 1





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»Wenn du meinst es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein …!« »Ach halt doch die Fresse!«

Wenn du meinst es geht ...Posted by Vollmers-Vielfalt.de Sun, September 03, 2017 13:16:11

Dieser Spruch ist so abartig und suggeriert jedem Menschen, dass er, wenn eine schlechte Zeit hat, tatsächlich NICHTS weiter tun muss, als zu warten. ›Irgendwer wird schon kommen und errettet.‹

Blödsinn!

Natürlich kann man sich auf dieses ominöse Lichtlein, was auch immer es für eins sein soll, verlassen – nur, wie lange soll man darauf warten? Und was ist, wenn das Lichtlein niemals kommt? Man das Lichtlein verpasst?

Man will doch das Leben genießen und sein Leben, so gut wie möglich, leben. Man hat doch nur das EINE! Da will man doch nicht auf so ein beschissenes Lichtlein warten.

Einem depressiven Menschen hilft dieser Spruch übrigens kein Stück weiter. Besonders wenn er meinte, seine depressive Phase im Griff zu haben, wieder mit beiden Beinen im Leben zu stehen und die Kontrolle über sich und seine Welt zurück erlangt zu haben … dann wird er merken: Der Schein trügt. Und er wird sich nur denken:

›Fick dich! Scheiß auf das Lichtlein! Gegen die Traurigkeit in mir kann mir nicht mal die Flutlichtanlage des größten deutschen Flughafens helfen – ach ja, auch dort sind die Lichter immer noch aus. Wieder nichts mit Lichtlein. Niemand kann etwas gegen dieses beklemmende Gefühl tun. ES ist einfach da! Einfach so, weil es Bock darauf hat. ES wird erst dann weichen, wenn es den Zeitpunkt für richtig hält. Erst recht nicht, weil irgendwo ein Lichtlein daherkommt und sagt: »Huhu, da bin ich. Ab jetzt geht es nur noch Bergauf.«

Das ist Bullshit!

Das Gefühl wird auch nicht nur weichen, weil man als vernunftbegabter und selbstbestimmter Mensch entscheidet, wann es zu gehen hat. Es lacht dich einfach nur mitten ins Gesicht und bleibt!

Das Gefühl der hilflosen Traurigkeit überfällt einen einfach so, ohne Vorwarnung, ohne einen Grund – zu einem von ihm selbst definierten Moment. Und alles, was man dann weiß ist, dass man nicht gewappnet ist. Es überrollt einen!

Die Situation ist wie bei einem LKW, der den Frosch, der die A2 überqueren wollte, weil auf der anderen Seite dieses Verkehrsweges womöglich der Tümpel wasserreicher ist und mehr Froschdamen auf ihn warteten, nicht sieht. Und der Frosch? Der hat den LKW auch nicht kommen sehen … Eine Radumdrehung, und selbst für Froschschenkel reichte es nicht mehr.

Es ist ja nicht so, als würde dieses depressive Gefühl einem ne WhatsApp-Nachricht schicken und sich wie ein ungebetener Gast einladen. Da könnte man einfach die Türe zulassen oder nicht zu Hause sein. Nein, es klingelt nicht mal, sondern steht einfach vor der Tür, reißt sie auf und sagt mit einem breiten Lächeln: »Hey, ich bin dann mal da und bleibe ein paar Stunden, Tage, Wochen, Monate, Jahre und du wirst nichts, wirklich gar nichts, tun können. Nebenbei wird es dir dreckig gehen. Du wirst am Boden zerstört sein. Du wirst den Grund dafür nicht begreifen können. Es gibt keinen Auslöser, ich will es einfach so.« Du kannst nur schauen und dich mit all deiner Macht gegen das Gefühl stemmen. Es wird dich nur auslachen und sarkastisch flüstern: »Ach, dir ging es gerade gut. Upps! Du hattest alles im Griff? Upps! Stört mich nicht. Es tut mir ja sooooo Leid, aber dann lohnt es sich wenigstens. Ich labe mich an deinem Leid und es gibt nichts, was du dagegen tun kannst.«

Und genau so ist es. Nichts kann man dagegen unternehmen – rein gar nichts! Man zerfließt in Selbstmitleid und ergibt sich seinem Schicksal, denn man ist ja depressiv und man hat EINE Ausrede, wenn es gerade nicht läuft. Wichtig ist nur, dass man irgendwie funktioniert. Doch man wartet auf dieses eine Lichtlein … in der Hoffnung, dass es einem dann besser geht.

Dieser Spruch ist nur dafür da, damit Menschen, die solche Gefühle in sich tragen, Hoffnung schöpfen. Aber was ist die Hoffnung wert, wenn darin nur das Ziel besteht seine Aufgaben in der Gesellschaft zu erfüllen, damit man weiterhin ein funktionierendes Zahnrad im Getriebe dieser Gemeinschaft ist und deren Anforderungen erfüllt.

Letzter Ausweg ist externe Hilfe. Und man hört: »Machen sie etwas was ihnen gut tut!«

Und man denkt sich: »Das verbietet mir meine Erziehung, meine Moral, mein Ehrgefühl.« Denn die Postkarte, die auf dem Schreibtisch liegt, sagt einem: »LÄCHLE! Du kannst sie nicht alle töten.«

SCHWACHSINN! Natürlich kann man etwas tun, aber das hat absolut nichts mit dem Lichtlein und dem, was man macht, was einem gut tut zu tun. Weder das Lichtlein noch eine schöne Aktion besiegen das Gefühl, sondern man selbst. Denn das Lichtlein ist halt nur ein Lichtlein. Ein leichter Windzug – und es erlischt. Nichts mit Hoffnung.

Manche benötigen Jahre, bis sie eine Strategie entwickelt haben, um mit diesen unfairen Übergriffen umzugehen. Man weiß, den Krieg kann man nicht gewinnen. Aber man kann ihm ein Schnippchen schlagen und lernen, damit zu leben. Gut sogar damit zu leben, und das verdammte Leben zu genießen und glücklich zu sein.

Man muss sich entscheiden, was man will! Entweder ich passe mich an und zerbreche am Druck, weil ich auf dieses verdammte Lichtlein gewartet habe, oder aber, ich nehme es selbst in die Hand, werde mir bewusst, was mich ausmacht und was ich bin – und vertraue denen, denen ich vertrauen kann.

Es können Tage, Wochen oder gar Monate vergehen, bis das Schnippchen geschlagen ist. Aber dieser kleine Sieg gibt einem die Kraft weiterzumachen, neue Ziele zu definieren und sein Leben so zu leben, dass man mit sich und ihm im Reinen ist. Da können dann das Gefühl oder das Lichtlein kommen. Überrennen tut es einen sowieso, aber man ist gewappneter. Jeder Sieg macht einen stärker, man lernt dazu, und am Ende steht dann doch ein zwar anstrengendes, aber in weiten Teilen schönes Leben.


Ich liebe mein Leben!



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Der Zauberspruch der Frau V.

Der Zauberspruch der Frau V.Posted by Vollmers-Vielfalt.de Sun, April 30, 2017 15:07:41

Es gibt Tage, die starten in absoluter Finsternis. An diesen Tagen wird es nie besonders hell, zumindest nicht in meinem Kopf und nicht, was meinen Gemütszustand angeht. So ist das Leben eines Depressiven manchmal.

Doch dann… dann höre ich sie am frühen Morgen. Ihre helle zuckersüße Stimme erklingt und weckt meine Lebensgeister. Ich spüre, wie die dunklen Gedanken zusammenzucken und wissen, dass sie auf einen Endgegner getroffen sind. Ein Teil erstarrt sofort und wird direkt vernichtet. Der andere gibt nicht gleich auf bei ihren Worten, hat aber gewaltigen Respekt. Sie wissen, dass sie ihre Chance hatten und dennoch verloren haben. Wie in den vielen Comics, in denen das Gute immer gewinnt. Superhelden halt!

Es sind keine besonderen Worte, sondern eigentlich – für die Sprachwissenschaftler unter uns - nicht mal ein vollständiger Satz. Ohne Verb und Objekt, sondern nur mit einer schnöden Interjektion und einem simplen Subjekt. Dieses Stück Sprache hat es in sich. Diese Worte haben Macht. Von ihr ausgesprochen – nur für mich – haben sie die Energie, jegliches Dunkel zumindest für den Moment zu vertreiben, sodass ich aus dem Bett komme und das Elend abschütteln kann. Die Worte stecken voller Optimismus, Zuneigung, Liebe und geben Hoffnung.

„Ach, Hase!“

Zwei Worte, die meinen ganzen Tag retten können. Sie wirken wie ein Zauberspruch aus einem Harry-Potter-Roman – wie, wenn Molly Weasley Bellatrix Lestrange tötet oder wie Gandalf und Konsorten ein ganzes Heer von Orks. Diese Worte durchdringen die dunklen Momente in meinem Kopf, die es immer wieder mal gibt. Die Orks tauchen schließlich auch immer und immer wieder auf, auch nach den Ringkriegen. Diese Worte bringen in mein morgendliches Gemüt Licht - und Licht kann alles.

Ihre Worte bedeuteten:

‚Alles wird gut!‘ Sebastian Madsen sang dies schon 2012, aber wird wirklich alles gut? Manchmal… da sind sie wieder, die trübseligen Gedanken. Dann rufe ich mir einfach ihr „Ach, Hase!“ in Erinnerung und schon ist es besser. Die Hoffnung ist zurück.

Nur wenige Menschen haben mich je so akzeptiert, wie ich bin. Nur wenige verstehen meine Gedankengänge, manchmal ich selbst nicht. Nur wenige haben mein manchmal recht törichtes Handeln und vor allem meinen – doch sehr fragwürdigen – Humor verstanden. Am Anfang sie auch nicht! Ach, der Anfang oder besser gesagt: die Genesis von ihr und mir. Und prompt poppt in meinen Kopf ‚Genesis‘ mit `I can´t dance` auf und es passt. So habe ich ihr doch in der E-burg bewiesen, dass der ‚nineties floor‘ ganz allein mir gehört, wenn ich zu Guns´n´Roses mit ‚Paradise City‘ abzappele. Okay, vielleicht haben wir hier auch den Grund für mein dunkles Gemüt gefunden, bei dem Musikgeschmack…

Aber zurück zum eigentlichem Thema.

Alles fing mit unserem ersten Gespräch an. Damit, dass sie mir berichtete, dass sie zu den Inselaffen wollte – ein ganzes Auslandssemester. Ich hatte gerade erst einen in englischer Sprache verfassten wissenschaftlichen Text über die amerikanische Geschichte (Thema Prohibition) lesen müssen und hätte fast gekotzt, weil ich jede zweite Vokabel nachschlagen musste. Trotz Leo ergab der Text einfach keinen Sinn, so dass man sich einfach besaufen musste. Und Schuld hatte natürlich der Professor, wie konnte er sich einbilden, an einer deutschen Universität einen englischen Text lesen zulassen …?

…meine Fresse war ich intolerant! Aber hey, den Engländern gegenüber kann man ja auch nur… Nein, diese Diskussion führen wir mal nicht weiter – Ich liebe sie zu sehr, als dass ich wegen einer derartig intoleranten Sichtweise diese Ehe aufs Spiel setzen würde. Sie war schon immer die Tolerantere, Intelligentere und Weisere von uns beiden.

Apropos tolerant. Mir gegenüber war sie unfassbar tolerant. Nicht nur an diesem Abend (aber da besonders!), sondern auch die ganzen letzten zehn Jahre. Sie muss doch an diesem Abend gedacht haben: „Was ist das für ein arroganter W… ?“ Doch sie zeigte es nicht. Wäre sie mal damals geflüchtet, als alle anderen einfach gegangen sind und mich mit dem ganzen Grillzeugs allein zurückgelassen haben. Da war ihre Chance auf ein anderes Leben, doch…

Den ganzen Abend hat sie sich meine schlechten Witze angehört, egal ob es um Engländer ging oder um ihre Art, als Thüringerin ihre Thüringer Bratwurst zu essen. Unter uns: mit Ketchup! Welch Frevel. Dennoch lachte sie! Immer! Je schlechter der Witz, desto fragender guckte sie, und dennoch lachte sie. Natürlich, es konnte nur Mitleid sein, nichts anderes!

Inzwischen habe ich sie auf mein Witzniveau heruntergezogen, ja heruntergezogen! Sie glaubt doch wirklich, dass sie mich derartig positiv beeinflusst habe, dass das Niveau gestiegen sei. Never!

Mein Vater hat denselben Humor und der – also der Humor, nicht mein Vater - wird vererbt. Also wird sie sich auf was gefasst machen müssen, wenn jemals Kinder ins Spiel kommen. Wobei, wieso sollte sie sich auf was gefasst machen? Eher sollten sich die gemeinsamen Freunde warm anziehen. Sie sind es, die leiden werden. Zwei, drei oder gar vier Menschen mit dem Humor eines Vollmers sind dann in der Welt in direkter Abstammungslinie meines Vaters unterwegs und meine Frau, deren Humor ich erfolgreich versaut habe. Nichts da mit Niveau. Ich sag nur Nuschel. Wir werden die Partycrasher! Ich glaube, es wird ganz arg einsam um uns!

Aber zurück zum eigentlichen Thema, dem besagten 30.04.2007, den wir hier heute feiern. Sie muss doch nur eins den gesamten Abend flehend gedacht haben: „Wann, lieber Gott, sag mir bitte wann ist dieses Grillen endlich vorbei und wann bin ich diesen rauchenden Fruit-of-the-Loom-Jacke tragenden, egozentrischen und intoleranten Arsch los?“

Tjaja, wann?

Und sie blieb über Nacht! Es war ihre Entscheidung. Da stand er vor ihr, ihre Zukunft. Und es war nichts Besseres in Sicht, als das, was sie da sah.

Und heute, auf den Tag genau zehn Jahre später, was machst du da? Du sitz hier mit dem besagten Typen, bist sogar mit ihm verheiratet, isst `ne Thüringer Bratwurst mit Ketchup – ich kann nur wiederholen: welch Frevel – trinkst Bier/Wein – du bist also nicht schwanger, aber was nicht ist, kann ja heute noch werden – und denkst dir: „Hoffentlich werde ich nie wieder so blau wie an diesem Abend.“ Ich sag dir: So blau warst du bisher nur auf unserer kirchlichen Hochzeit, wenn wunder es.

Nun gut, ich will nicht weiter ins Detail gehen über unsere Trinkgewohnheiten.

Wir feiern, dass meine geliebte Ehefrau es nicht rechtzeitig von einer Party geschafft hat, in den Fängen eines ihr unbekannten Rattenfängers und bis heute an seiner Seite geblieben ist. Oder anders gesagt: Wir feiern deinen schlechten Männer-Geschmack, Baby.

Inzwischen hast du mich ganz gut hinbekommen, ist viel Arbeit, aber dadurch weiß ich, dass wir das mit den Kindern auch hinkriegen. Was hast du nicht alles verändert: Ich rauche nicht mehr, ich habe einen ordentlichen Haarschnitt, kleide mich ganz gut, wirke gepflegt und bin dank dir so kreativ wie nie zuvor, womöglich sogar intelligenter, aber auf jeden Fall weltoffener, reifer. Du hast meine scheinbar endlose Pubertät beendet, also fast, und aus mir fast einen Erwachsenen gemacht. Okay, das klingt hart. Wir wollten es nie sein – erwachsen. Aber du hast in meinem Leben alles zum Besseren geformt. Ich habe dir so viel zu verdanken und werde dir noch für vieles danken.

Unsere gemeinsamen zehn Jahre waren anstrengend. Eigentlich hatten wir nie Ruhe. Und wenn, war es nur die Ruhe vor einem Sturm. Ein Sturm, der alles veränderte. Und wie oft haben wir aus Zitronen Limo gemacht? Ich kann es nicht mehr zählen. Das Leben mit mir ist nie einfach. Irgendetwas ist immer. Doch so schlimm ist es nie. Wir überstehen jedes Unwetter. Sieh dich um! Was haben wir nicht alles erreicht: tolle Freunde, zu denen immer wieder Verrückte, Feurige, Nähende, Schreibende, Pferdenärrische, Medizinphysikalische, Rauchkontrollierende und ganz Junge hinzustoßen. Sie bereichern unser Leben, auch wenn man sich nicht so oft sieht, wie man gerne möchte. Okay, manchmal geht der einer oder der andere auf unserer Reise verloren, aber für die Zeit, in der sie an unserer Seite waren, war es wundervoll und genau richtig. Und wenn man überlegt, wo wir überall schon gemeinsam oder teilweise gemeinsam gelebt haben: Erfurt, Halle/Saale, Karl-Ma… äh Chemnitz und jetzt schon eine sehr lange Zeit in Ostfriesland.

Einfach war bisher keine dieser Stationen. Auch wenn sich wohl irgendwann die Wege beruflich und örtlich wieder in andere Richtungen entwickeln werden, einfach wird es nie. Egal, wir schaffen das. Gemeinsam.

Langweilig ist es bei uns auch nie.

Ich freue mich auf das ‚Jetzt‘. Ich bin glücklich über das Vergangene und weiß, dass die Zukunft spannender, schöner und aufregender wird, als wir es uns vorstellen können. Denn ich glaube daran, dass wir nur gemeinsam unsere Träume erreichen werden, weil wir für einander bestimmt sind. Es ist die Liebe, die uns zu dem macht, was wir sind: nämlich glücklich.

Und wenn wir dann mit 96 Jahren, also du als Jungspund mit 90, im Altenheim, im Pflegeheim oder im Irrenhaus ohne Zähne und mit weichem Brei sitzen, die Pfleger uns ständig unseren Schnodder abwischen, werden wir noch einen letzten gemeinsamen hellen Moment haben. Gemeinsam werden wir auf unsere Leben zurückblicken, wir werden uns an den Händen fassen, uns anlächeln und lachen. Laut, hemmungslos und voller Glück. Du wirst mich fragen: „Und, hättest du es gedacht? Hättest du gedacht, dass wir das alles schaffen, was wir uns vorgenommen haben?“ Ich werde nur antworten: „Natürlich, mit dir ist alles möglich. Und schon damals sagte ich: Alles ist gut.“ Und du wirst entgegnen: „Ach Hase!“



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018 - Die Osterhasen-Akte

Die Osterhasen-AktePosted by Vollmers-Vielfalt.de Sun, April 16, 2017 11:35:57

Es gibt so Tage, da wundert man sich über gar nichts mehr! Besonders dann nicht, wenn die eigene Ehefrau mit einer Bitte einer ihrer Kollegen an einen herantritt, dass man ihm doch bitte einen Gefallen tun soll, weil andere, die es eigentlich machen wollten, moralische Bedenken haben und die Bitte aus den besagten Gründen nicht erfüllen können. Meine Frau dachte da sofort an mich. Das ist mal ein Statement!

Der gemeine Leser sollte sich jetzt eine Frage stellen: „Was treibt meine Ehefrau dazu, dass sie bei einem moralisch bedenklichen Gefallen sofort an mich denkt?“ Es gibt drei Möglichkeiten:

1. Ich bin moralisch derartig degeneriert und verwerflich, dass ich es tun muss, weil ich nicht anders kann.

2. Meine Frau kennt mich unfassbar gut.

3.Sie hält von mir als moralisches Wesen einfach nichts, sodass es nicht schlimm ist, wenn ich so etwas tue.

„Hallo, ist dort der Osterhase?“

„Hallo, Emilia. Ja, hier ist

der Osterhase.“

„DER Osterhase?“

„Ja, liebe Emilia, hier spricht DER Osterhase.“

„Es gib DOCH den Osterhasen“, murmelt es am anderen Ende der Leitung. „Wusste ich es doch. Papa hätte mich niemals angelogen. Dann gibt es den Weihnachtsmann auch.“

Emilia, 6 Jahre, intelligentes Kind, welches für doof gehalten wird, damit es nicht zu schnell erwachsen wird, Jahrgangsbeste der ersten Klasse einer Grundschule in der ostfriesischen Hafenstadt Emden, mag Pferde, Kaninchen, spielt gerne mit ihren Puppen, hilft anderen Kindern gerne und ist Papas Liebling.

Am anderen Ende der Leitung: Christian Vollmer, skrupelloser Realschullehrer (Fächer Ethik und Geschichte) an einer ostfriesischen Grundschule, der Kindern Lügengeschichten über ein eierlegendes Nagetier mit langen Ohren, welches seine Eier bemalt, bestätigt, damit die Eltern den Mythos der Geschenke durch Osterhase und Weihnachtsmann so lange wie möglich am Leben erhalten können, damit das Kind ja nicht zu früh in die reale grausame Welt des kapitalistischen Systems gerät und im nächsten Primark sinnlose Geschenke kauft, um nicht selber basteln zu müssen.

„Ich habe selbstgebastelte Geschenke für meine Eltern. Kannst du sie bitte abholen und sie bei meiner Oma, wo wir Ostern feiern, verstecken?“, fragt mich das Kind freundlich.

„Uh, du hast Geschenke für deine Eltern. Das ist aber lieb von dir. Da muss ich mich als Osterhase bei dir bedanken, dass du mir meine Arbeit erleichterst.“

„Was ist denn nun?“, fragt sie ungeduldig.

„Natürlich, liebe Emilia, könnte ich das tun. Aber dann müsste ich jetzt nach Emden kommen, um dann mit den Geschenken nach Pasewalk zu hoppeln. Das ist verdammt viel Arbeit.“ Ausreden kann ich!

„Aber du bist doch der Osterhase.“

„Stimmt!“

„Also!“

„Du hast mir schon so viel Arbeit abgenommen, stell die Geschenke einfach am Palmsonntag zu den Koffern, wenn ihr losfahrt. Dein Vater rafft es nicht, dass er seine Geschenke in den Kofferraum einpackt.“

„Mein Vater ist aber nicht dumm.“

„Das habe ich nicht gesagt.“

„Der merkt das.“

„Nein, das merkt er nicht, denn ihr habt so viele Sachen, die ihr mitnehmen müsst, wegen deinem kleinen Bruder, dass deine Tüte mit den Geschenken nicht auffällt.“

„Bist du dir sicher?“

„Natürlich!“

„Und wenn doch?“

„Es gibt kein ‚Wenn doch‘!“

„Hmmmm, okay.“

„Kann ich sonst noch was für dich tun, Emilia. Ich müsste noch meine Eier bemalen.“

„Nein, das war es, lieber Osterhase.“

„Ich danke dir für das freundliche Gespräch und viel Spaß bei der Eiersuche.“

„Danke, und dir frohe Ostern, lieber Osterhase.“

Und dann ist das Gespräch vorbei. Ich habe ein kleines unschuldiges gutgläubiges Kind belogen und mein eigenes kleines moralisches Empfinden erwartet, dass sich mein schlechtes Gewissen meldet. Es soll mich verzehren und ich soll mich schämen.

Nichts! Absolut Nichts meldet sich bei mir. Als würde ich den Unterschied zwischen richtig und falsch nicht kennen. Die Ausrede, dass ich meine Tat auf Wunsch eines anderen getan habe, benötige ich nicht mal. Es hat mir gar gefallen. Aber warum?

Ich denke über die Handlung nach. Ich belog ein Kind, welches an einen fiktiven Hasen, welcher bunte Eier versteckt, glaubte, als sei er real. Als wäre es das selbstverständlichste der Welt, dass ein Hase bunte Eier versteckt. Ich habe gelogen und erinnere mich: „Der kindliche Glaube an Fantasiegestalten ist durchaus gut für die kognitive Entwicklung“, sagt die Psychologin Jacqueline Woolley. „Das regt die Fantasie an und lässt Kinder Möglichkeiten erwägen, die in der realen Welt nicht existieren“1.

Schließlich begreife ich. Ich habe nicht unmoralisch gehandelt, sondern pädagogisch wertvoll.

1 https://www.welt.de/gesundheit/psychologie/article106135117/Glaube-an-den-Osterhasen-tut-dem-Kind-gut.html



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Wenn ihr wüsstet...

Wenn ihr wüsstet...Posted by Vollmers-Vielfalt.de Sun, March 26, 2017 13:16:29

„Sag mal, wer ist denn dieser Kuno Kopfgeldjäger?“, fragt mich der Eine mir gegenüber. Als Antwort zucke ich nur mit meinen Schultern, denn so richtig rausrücken will ich nicht, wer dieser Kuno Kopfgeldjäger ist. Lieber nippe ich als Antwort an meinem Kaffee. Nicht ganz so schwarz wie meine Seele ist dieser, aber schmecken tut er trotz der Milch, als hätte der Teufel persönlich an der Kaffeemaschine gestanden, um ihn nur für mich und meine Seele aufzubrühen. Ich blicke zum Tresen und eine junge Frau mit roten Hörnern steht an der Maschine und lächelt mir diabolisch zu. Ich reibe kurz meine Augen, blicke erneut und sehe nur eine junge hübsche Kaffeedame, die mit einem freundlichen Lächeln und mit hoher piepsiger Stimme mit ihrer Kollegin hinter dem Tresen kommuniziert.

„Komm schon!“, reißt mich mein Gegenüber aus meinen Gedanken. „Du hast das Buch geschrieben. Du weißt, wer dieser Kuno ist!“

„Stimmt“, beantworte ich ihm seine Frage und stelle die Tasse Kaffee auf das dazugehörige Untertässchen. Die Schokolade am Schokoladenkeks klebt sofort an der warmen Tasse und schmiert den Griff fast vollständig ein. Wie soll ich jetzt, ohne mir die Hände mit Schokolade einzuschmieren, den Kaffee trinken? Und wie kommt man auf die Idee, Schokoladenkekse in unmittelbarer Nähe eines heißen Kaffees zu servieren?

„Bist du das?“, hakt mein Gegenüber nochmal nach.

„Wie bitte?“, frage ich und denke „Wenn du wüsstest….“

„Ob du dieser Kuno Kopfgeldjäger bist?“

„Ich habe dich verstanden“, antworte ich und schüttele mit dem Kopf.

„Alle Schriftsteller schreiben doch immer als erstes über sich selbst. Soll doch immer am leichtesten sein. Und so ein Buch schreiben, das kann doch jeder.“

„Was für eine These“, denke ich und mir schießt wieder durch den Kopf: „Wenn du wüsstest….“ Eine Antwort bleibe ich ihm schuldig - Oder sage ich ihm doch, dass Kuno Kopfgeldjäger definitiv nicht mir nachempfunden, sondern gänzlich meiner Fantasie entsprungen ist? Er soll das verdammte Buch lesen und sich selber Gedanken darum machen, wie viel Christian Franz-Josef Vollmer mit seiner schwarzen Seele in Kuno Kopfgeldjäger steckt. Ich werde ihm nicht alles verraten. Lang genug kennt mich mein Gegenüber und wird es selbst bewerten können.

„Schmeckt dir der Kaffee?“, frage ich ihn.

„Was hat das denn nun mit dem Kopfgeldjäger zu tun?“

„Schmeckt dir der Kaffee oder nicht?“

„Man kann nicht so viel Milch reinkippen, wie man möchte, damit er genießbar ist.“

„Siehst du?“

„Was?“

„So schwarz wie die Seele dieses Kaffees ist auch die Seele des Kopfgeldjägers.“

„Gut, dann bist du es also nicht. Meist bist du viel zu freundlich.“

„Wenn du wüsstest,…“, schießt es mir durch den Kopf.

„Wer dann?“, gibt er sich kämpferisch, um mehr über Kuno Kopfgeldjäger zu erfahren. „Wer weiß!“

„Nun sag schon“, entfährt es ihm entnervt. Süffisant lächelnd genieße ich das Spiel. Dann beuge ich mich zu ihm rüber und sage mit geheimnisvoller Stimme: „Ich kann dir ein paar Dinge verraten! Er ist ein Mensch. Er ist von Beruf Kopfgeldjäger. Seine Seele ist schwarz wie dieser Kaffee und die Nacht. Und er hat es nicht so unbedingt mit Regeln.“

„Was für wahnsinnige Informationen“, bricht es sarkastisch aus ihm heraus.

„Bitte, gern geschehen.“ Ich ignoriere mit meiner Antwort seinen Sarkasmus.

„Wenn ich zusammenfassen darf: Kuno Kopfgeldjäger ist also eine Kombination aus Lord Voldemort in einem Indiana Jones Kostüm, der wie Lucky Luke durch die Gegend läuft und die Daltons jagt und einfängt?“ Ich muss grinsen. Trifft es nicht unbedingt, aber es zeigt, dass der mir gegenüber absolut keine Ahnung von Harry Potter, Indiana Jones oder Lucky Luke hat. Ich kann nur genervt murmeln: „Können Muggel zaubern?“

„Was?“

„Wenn du mir schon mit einer Anspielung auf Harry Potter kommst, dann sollte sie schon fundiert sein. Kuno Kopfgeldjäger ist ein einfacher Mensch. Ein Muggel, und die können nicht zaubern. Außerdem ist Indiana Jones kein Kopfgeldjäger, sondern Archäologe und hat zu Recht etwas gegen Nazis, also gegen das Böse. Okay, das gebe ich zu, das ist passend und dass Lucky Luke die Daltons jagt passt auch, aber Kuno ist nicht ansatzweise so cool wie Lucky Luke. Er ist ein kleiner Psycho.“ Und ich denke außerdem: „Wenn du wüsstest, was für einer.“

„Also, und was ist so besonders an deinem Kopfgeldjäger, dass du es geschafft hast einen Verlagsvertrag zu ergattern?“

„Nichts. Er ist halt eine Type. Bissel egozentrisch, etwas durchgeknallt, hört Stimmen und ist halt anders als andere Persönlichkeiten.“ Ich nippe an meinem Kaffee, blicke zum Tresen und die Dame hat wieder dieses diabolische Grinsen im Gesicht.

„Dann ist er kein Held, sondern eher Kategorie Antiheld?“ Ich überlege und schüttele nach kurzem Überlegen wieder den Kopf und stelle die Kaffeetasse ab. „Mann, nun lass dir doch nicht immer alles aus der Nase ziehen.“

Und da hat er mich und ich beginne ihm die Geschichte von Kuno Kopfgeldjäger zu berichten. Ich erzähle ihm alles.

Wenn ihr nur wüsstet…



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016- Die Braut im Kofferraum

KrimikurzgeschichtenPosted by Vollmers-Vielfalt.de Sun, March 19, 2017 13:17:23

Der Nebel des frühen Morgens verflüchtigte sich langsam, als Polizeimeister Frerk Tillmann den weißen Mercedes Benz 230C auf der Zufahrtsstraße zum Parkplatz des Pilsumer Leuchtturms entdeckte, nach dem gefahndet wurde. Das Blumengesteck auf der Motorhaube und das H-Kennzeichen identifizierte ihn eindeutig als das vermisste Brautfahrzeug.

Vorsichtig ging der Polizeimeister um das scheinbar verlassene Fahrzeug herum. Der Kofferraum stand einen Spalt weit offen. Weißer Tüll quoll daraus hervor und verhinderte, dass er sich ganz schloss. Mit der Neugier eines jungen Polizisten öffnete er ihn. Der Anblick verschlug ihm für Sekunden die Sprache. In unnatürlicher Haltung lag die vermisste Braut im Kofferraum. Das Brautkleid besaß einen riesigen Blutfleck auf der Brust und es suppte weiterhin Blut in den Innenbereich. Lange konnte sie noch nicht tot sein. Dennoch wirkte die Braut erhaben und wunderschön. Gar ein Lächeln fand sich auf ihren Lippen.

„Ich muss den Kollegen Bescheid geben“, murmelte der Polizeimeister und griff zum Funkgerät an seinem Gürtel. Innerlich jubilierte er, denn es war sein erster Erfolg als junger Polizist. Er hatte das Fahrzeug gefunden, nach dem den ganzen Vormittag gefahndet worden war. Ausgerechnet er, der solche Startschwierigkeiten in der Polizeiinspektion Leer gehabt hatte. Seine Kollegen würden Augen machen.

Sein Griff ging ins Leere. Am Gürtel hing das Walkie Talkie nicht. Es lag bestimmt noch im Dienstwagen. Er war zu schludrig mit seinen Dingen.

„Wie ich sehe, haben sie das gesuchte Fahrzeug entdeckt“, erklang eine besonnene Stimme hinter ihm. Erschrocken drehte sich Polizeimeister Frerk Tillmann um.

„Herr Hauptkommissar“, begrüßte er den Besitzer der Stimme und reichte ihm die Hand. Der Hauptkommissar ergriff sie mit einem freundlichen Lächeln. Der junge Polizeimeister kannte ihn nur vom Hörensagen. Begegnet war er ihm noch nie, aber es war unverkennbar der Hauptkommissar, von dem jeder in Ostfriesland sprach und über den sogar überregionale Zeitungen berichteten. Seine Aufklärungsquote war nicht nur in Ostfriesland legendär. Kaum ein Verbrechen, welches er nicht gelöst hätte. Hinter vorgehaltener Hand wurde er auch der Sherlock Holmes Norddeutschlands genannt. Seine äußerliche Erscheinung ähnelte kaum dem berühmten Detektiv. Sein brauner, dreckiger und zerschlissener Trenchcoat und sein Filzhut gaben ihm etwas von Humphrey Bogart aus dem Film Casablanca, aber sein wettergegerbtes Gesicht hatte mit dem amerikanischen Schauspieler der Vierziger Jahre nichts gemein. Seine Kleidung hätte eine Frischzellenkur durchaus gut getan, denn sie war alt und abgetragen und erinnerte Frerk Tillmann eher an Peter Falk als Columbo aus der gleichnamigen amerikanischen Kultkrimiserie, die er früher immer so gerne gesehen hat. Sein raues Äußeres schien nicht seinem Inneren zu entsprechen. Ihm wurden allzu große Freundlichkeit und Höflichkeit nachgesagt, was wohl einer der Gründe war, warum er immer noch im ländlichen Ostfriesland ermittelte und nicht in Berlin, wo er eigentlich herkam.

„Sie kommen frisch von der Polizeischule?“

„Drei Monate bin ich dabei!“, stimmte der junge Polizeimeister dem alten Haudegen zu. „Woran haben Sie es erkannt?“

„Sie sind etwas blass um die Nase beim Anblick der toten Dame im Kofferraum“, stellte der Hauptkommissar trocken fest.

„Oh“, entfuhr es schuldbewusst dem Polizisten.

„Aber eigentlich kenne ich jeden Wachtmeister in der Region und Sie sind mir noch unbekannt“, lächelte er aufmunternd.

„Ich kenne die Frau im Kofferraum“, sprach Frerk Tillmann mit gebrochener Stimme und starrte wieder in den Kofferraum. Er konnte seine Augen nicht davon abwenden.

„Woher?“, fragte der Hauptkommissar, als würde es ihn nicht überraschen. Er trat an die Seite des Polizeimeisters Tillmann.

„Wir waren im gleichen Abitur-Jahrgang in Leer. Wir… wir…“, versagte die Stimme des Polizeimeisters.

„Sie waren ein Paar?“

„Woher wissen sie das?“

„War nur so eine Vermutung“, entgegnete der Hauptkommissar, als wäre es das normalste der Welt.

„Wir waren glücklich, sogar verlobt. Wegen ihr bin ich auf die Polizeischule gegangen. Sie wollte immer einen Helden an ihrer Seite.“

„Was lief schief?“, fragte der Hauptkommissar.

„Kurz vor der Prüfung zum Polizeimeister verließ sie mich.“

„Wissen Sie warum?“ Tillmann schüttelte den Kopf. „Wie lautet der Name der Toten?“

„Rieke Oldersum.“

Der Hauptkommissar holte einen kleinen Notizblock hervor und notierte die Informationen, die er von Frerk Tillmann erhalten hatte. „Wussten Sie, Frerk - Ich darf Sie doch Frerk nennen? -“ Überrascht, dass der Hauptkommissar seinen Namen kannte, nickte dieser nur. „-dass sie Ümüt Özgan heute Morgen in kleiner privater Runde heiraten wollte?“

„Den Dönerbudenbesitzer aus der Altstadt in Leer gegenüber vom Taraxacum?“, sprach Tillmann überrascht.

„Ja, genau diesen.“

„Nein, das wusste ich nicht.“

„Heute Morgen ist ein unbekannter Täter in das Standesamt Müllerknechtshaus in Upgant-Schott gestürmt und hat den Bräutigam Ümüt Özgan, die Eltern des Brautpaares und den Standesbeamten erschossen. Von der Braut und dem Brautwagen fehlte seitdem jede Spur. Wissen Sie etwas darüber?“

Frerk Tillmann schüttelte den Kopf. „Ich bin zufällig mit meinem Dienstfahrzeug hier entlanggekommen. Habe heute Morgen im Funk davon gehört. Ich wollte eigentlich….“

„Sie sind weit draußen für einen Polizisten aus Leer“, unterbrach der Hauptkommissar ihn. Wieder zuckte der Polizeimeister seine Schultern. Er starrte weiterhin auf die Leiche im Kofferraum.

„Wo ist Ihr Dienstfahrzeug jetzt?“, fragte der Hauptkommissar.

„Es steht hinten bei den Fischbuden am Parkplatz zum Leuchtturm hin.“ Der Hauptkommissar blickte über die Weide, auf der ein paar Schafe standen, in Richtung der Fischbuden und dem Parkplatz. Weder eine Menschenseele noch ein Fahrzeug schienen dort zu sein.

„Oh, die Kollegen kommen schon“, murmelte Frerk, als er leise Sirenen in der Ferne vernahm und fragte den Hauptkommissar: „Haben Sie die Kollegen gerufen?“

„Nein, Frerk“, gab ihm der Hauptkommissar glaubhaft zu verstehen und schüttelte dabei demonstrativ den Kopf. „Wussten Sie, dass die Morde mit einer Dienstwaffe verübt wurden?“

Der Polizeimeister Tillmann blickte ihn überrascht an und schlug wütend den Kofferraum zu. „Was soll die Anspielung?“

„Nichts! Ich fragte nur, ob Sie das wussten, Frerk.“

Ohne lange zu überlegen, wollte Tillmann seine Dienstwaffe ergreifen, aber sie war genauso wenig da wie das Funkgerät. „Wo ist sie?“, fragte er laut den Hauptkommissar, der langsam zur Motorhaube des Mercedes ging.

„Sie liegt auf dem Beifahrersitz, Frerk“, teilte er ihm mit, als wäre es das normalste der Welt, dass ein Polizist seine Dienstwaffe auf dem Beifahrersitz eines Tatfahrzeugs liegen hätte.

„Haben Sie sie dort hingelegt?“, fragte er ihn.

„Warum sollte ich das tun?“

„Weil sie mich für die Morde verantwortlich machen wollen, sonst hätten Sie mir diese Frage nicht gestellt. Ich habe nur das Fahrzeug gefunden.“

„Ich beschuldige niemanden“, gab der Hauptkommissar ihm deutlich zu verstehen.

„Sie wollen doch nur Ihre Aufklärungsquote weiterhin beibehalten und suchen ein leichtes Opfer.“

„Jetzt werden Sie mal nicht frech, junger Mann!“, sprach der Hauptkommissar brüskiert. „Ich habe Ihnen lediglich eine Frage gestellt.“

„Wie ist sie dort denn dann hingekommen?“

„Wenn Sie es nicht wissen, Frerk“, tadelte der Hauptkommissar den Polizeimeister, um im nächsten Moment nachzufragen: „Kannten Sie Herrn Özgan?“

„Wer kannte den nicht!“, sprach Frerk ruhig und stützte sich auf dem geschlossenen Kofferraum ab. „Er war auch in unserem Abiturjahrgang. Der hat doch alles besprungen, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Ein typischer Macho halt, der in der Fetenscheune nicht mal vor kleinen Mädchen halt machte. Aber was will man von so einem schon erwarten?“

„Von so einem?“

„Südländer halt. Die können die Fing…“, er brach ab und schüttelte den Kopf. „Vergessen Sie es.“

Der Hauptkommissar überging die rassistische Anspielung und fragte mit ruhiger Stimme weiter: „Waren Sie neidisch auf Herrn Özgan?“

„Warum sollte ich? Ich war sehr glücklich mit Rieke.“

„Das habe ich nicht gemeint.“

„Was dann?“

„Ob Sie neidisch waren, dass er Ihre Rieke heiraten wollte?“

„Nach dem Abiball habe ich ihr den Antrag gemacht und sie sagte sofort ‚ja‘. Wir hatten mit Ümüt nichts zu tun. Wir entschlossen uns ein Haus in Leer zu suchen. Sie begann ihr Studium in Emden und ich ging zur Polizeischule. Wir sahen uns zwar nur am Wochenende, aber es funktionierte.“

„Bis Herr Özgan auftauchte?“

„Ja“, brodelte es im Frerk Tillmann auf, „dieser Macho machte sich während meiner Abwesenheit an Rieke ran. Ich hatte keine Chance. Sie zog plötzlich einfach aus. Einen auf den anderen Tag. Nichts hatte darauf hingedeutet. Es ergab einfach keinen Sinn. Sie meinte, ich enge sie ein. Und das kurz vor den Prüfungen.“

„Sie waren sauer, oder?“

„Ich war nicht sauer! Ich war am Boden zerstört! Mein Leben endete in dem Moment, als Rieke ihre Koffer in den Kofferraum von Ümüts 3er BMW stellte“, brüllte Frerk den Hauptkommissar über das Auto hinweg an. „Ich liebte sie und sie machte mich zum Gespött von ganz Leer.“ Frerk Tillmann ging zur Beifahrertür. Er blickte in die Richtung, aus der die Sirenen der Streifenwagen immer lauter wurden. Er griff seine Pistole durch das offene Fenster des Autos. Das Blaulicht tauchte immer wieder zwischen den Bäumen am Straßenrand auf.

Dann drehte sich Frerk Tillmann zum Hauptkommissar um. Doch dieser war verschwunden. „Hauptkommissar?“, brüllte Tillmann in den Nebel. „Wo stecken sie?“

Nur noch Frerk Tillmann stand am weißen Mercedes. Die Streifenwagen fuhren mit hoher Geschwindigkeit von der Neu-Etumer Straße in die Kleinbahnstraße ein, um dann in Richtung des Leuchtturms mit quietschenden Reifen abzubiegen. Der Nebel, in dem noch vor Kurzem der Pilsumer Leuchtturm eingehüllt war, war wie der Hauptkommissar im Nichts verschwunden.

Polizeimeister Tillmann stand in Uniform und seiner Dienstwaffe in der Hand einfach nur da. Genau beobachtete er, wie die Streifenwagen immer schneller auf ihn zukamen. Er lachte: „Mir kam doch dieser Herr Hauptkommissar von Anfang an bekannt vor“, lächelte Frerk Tillmann. „Habe letztens erst ein Buch über ihn gelesen.“ Tillmann ging um das Auto herum, öffnete den Kofferraum, blickte hinein und streichelte Rieke Oldersum über die Wange. „Ich habe dich geliebt und wir werden uns wieder lieben. Gleich bin ich bei dir und dann wird alles gut.“

Frerk Tillmann drückte die Dienstpistole unter sein Kinn. Gleich wäre er bei seiner Rieke, dann wäre wieder alles richtig und alles so wie es sein musste. Er erinnerte sich. Er hatte für Gerechtigkeit gesorgt.

Dann ertönte ein Knall aus seiner Dienstpistole.



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Warum 2016 doch nicht so scheiße war...

Jahresrückblick 2016Posted by Vollmers-Vielfalt.de Wed, December 28, 2016 19:18:01

Jahresrückblick von Vollmers-Vielfalt.de

Ich gebe ja zu: gesellschaftlich, politisch und künstlerisch war das Jahr 2016 kein kulinarisches Jahr. Nein, ich werde jetzt nicht jedes Ereignis aufzählen und kommentieren, welches mir Angst im Jahr 2016 gemacht hat. Denn ich glaube, dass jedes vernunftbegabte Wesen für sich eine eigene Rangliste der schrecklichsten Ereignisse des Jahres 2016 besitzt.

Daher kommt hier mein persönlicher Jahresrückblick und diesen will ich positiv gestalten. Denn so wahnsinnig erschreckend es auch auf unserer lieben Erde gewesen sein mag und man teilweise glauben konnte, dass Lord Voldemort höchstpersönlich zurückgekehrt sei, so verrückt aufregend war es bei mir, als wären ab und an rosa Elefanten auf Speed bei mir zu Besuch gewesen mit dem Ziel mein Leben etwas bunter, vielfältiger und verrückter werden zu lassen. Selbstverständlich habe ich nicht nur positive Dinge erlebt, aber wird nicht jeden Tag genug Negatives berichtet und in den Medien (sozial und unsozial) gepostet? Aus diesem Grund rücke ich in meinem letzten Blog dieses Jahr das Positive in der Vordergrund. Ihr sollt daran teilhaben, denn der eine oder andere wird sich in meinen Top 10 der tollsten Ereignisse/Erlebnisse und Menschen wiederfinden.

1. Meine Frau Katrin.

Hört sich kitschig an, ist es auch! Aber sie ist der absolute Hammer und Mjölnir ist nichts dagegen. Jeden Moment, den ich mit ihr verlebe in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft bringt mich meinen und unseren Träume ein Stück näher. Ich liebe unsere Spinnereien – gut, der einzige der wirklich spinnt, bin ich -, unsere Zukunftspläne und vor allem unsere gemeinsame Zeit. Für mich bist du der Anker in meinem Leben. Danke dafür – Ich liebe dich.

2. Christian.

Nein, nicht ich selber, wobei… Nein, so egozentrisch bin ich bei Weitem noch nicht. Es geht um einen Menschen, der zu einem sehr guten Freund geworden ist. Christian Münzinger. Einfach ein ‚geiler‘ Typ. Menschlich, verständnisvoll, weltoffen, von hoher Moral und vielfältig in seinen Tätigkeiten (Beweisstück A: http://christian-muenzinger.de/) Mit ihm wurde die erste offizielle Konvention, die „MueVol“ ins Leben gerufen und wird in 2017 weitergeführt. Wir hatten gar einen Gast! XD Verdammt war das ein geiles Wochenende im Mai. Was für andere die Buchmesse in Leipzig war, war für mich die MueVol. Mehr findet ihr unter: http://muevol.de (Beweisstück B).

3. Kuno Kopfgeldjäger.

Es gibt Dinge, die geschehen einfach. Es ist wirklich so! Man kann sie nicht begründen! Ich habe es in diesem Jahr selbst erlebt.

Während meiner Depression 2014/2015 habe ich meine Kreativität reanimiert und habe verdammt viel geschrieben. Regelrecht ausgekotzt und #KunoKopfgeldjäger ist nur ein gutes Ding, was dabei herausgekommen ist. In meiner Schublade liegen noch einige weitere Manuskripte, Ideen und Konzepte, die ihren Weg an die Öffentlichkeit suchen. Aber Kuno wird immer mein Erstlingswerk sein und es erscheint im August 2017. Und allein dafür hat sich das Jahr 2016 schon gelohnt.

4. La Provence/St.Remy de la Provence.

Ich bin frankophil und ich stehe dazu. Ich spreche nicht mal halb so gut französisch, wie ich es gerne möchte und ich kenne weniger als die Hälfte von Frankreich nur halb so gut, wie es meine Zuneigung verdient hätte!

Dieser Urlaub im Sommer in der Provence war der absolute Wahnsinn. Meine Frau, Sommer, Sonne, Wein, Essen, verrückte Belgier, ruhige Niederländer, heimatbezogene Deutsche, ein Campingplatz mitten im Herzen einer kleinen Stadt und eine absolut nette französische Familie, dass es uns fast das Herz brach, als sie vor uns den Ort verließen. Aber wer kann schon von sich behaupten, Frankreich:Deutschland auf einem französischen Campingplatz mit einer französischen Familie im Land der Europameisterschaft geschaut und danach gefeiert zu haben. Ein einmaliges Erlebnis. Und dann die Tagestouren, die wir unternommen haben, da jagte ein Highlight das nächste und nebenbei rauschte die Tour de France noch an unserem Campingplatz vorbei. Verrückt!

5. SadWolf Verlag.

Mein Kopfgeldjäger erscheint im SadWolf Verlag. Danke, dass ihr an mich und Kuno glaubt! Besonderer Dank geht an Etienne Sadek, der mir durch seinen Schreibkurs so viel beigebracht hat, dass Kuno, die Geschichte und mein Schreiben deutlich an Profil gewonnen haben. Ganz großen Dank, lieber Etienne, an die persönliche Betreuung, an die vielen lustigen Skype Telefonate (wenn die Technik mitspielte), die weit über das Schreiben an sich hinausgingen. Ich bin sehr gerne dein Padawan.

6. Die Hochzeit des Jahres.

Es war kein royales Erlebnis, auch kein Schauspielerpärchen, dass sich das Ja-Wort gegeben hat, und dennoch war der MDR zugegen. Steffi heiratete ihren Superhelden (Balsam-Man)! Wie, ihr kennt Balsam-Man nicht? Und Steffi auch nicht? Ernsthaft? Dann berichte ich kurz über die beiden. Er: Feuerwehrmann, Thüringer, toller Vater (für mich mit Vorbildfunktion, so ne Mischung aus meinem Papa und ihm würde ich gerne mal werden!!!!), Sportler und einfach Mensch, ein toller Mensch. Sie: sie ist besonders, ganz besonders, Beherrscherin des Chaos und der halbleeren vergorenen Flaschen, Spezi-Fan, verrückt, liebevoll, meist überarbeitet, Kraftklub-Fan(Danke dafür, ich sag nur „Drei Schüsse in die Luft“), Chaotin, Mutter und Freundin.

Ich erhielt die große Ehre Trauzeuge der Braut sein zu dürfen. Alle haben diesen Abend irgendwo im Niemandsland an der Kümmelgrenze im Thüringer Wald genossen. Von hier noch einmal ganz herzliche Glückwünsche und ganz viele kleine Balsamchens!

7. Bücher und Autoren.

Früher waren Bücher für mich Mittel zum Zweck. In diesem Jahr habe ich nicht nur Bücher gelesen, sondern auch die Autoren dazu kennengelernt. Ich kann keine persönliche Rangliste aufstellen, welches Buch mich am meisten beeindruckt hat, aber es waren einige. Auflistung ohne Gewähr auf Vollständigkeit und die Reihenfolge ist rein zufällig:

1. „Wyvern – das Streben des Jägers“ von Veronika Serwotka (warte sehnsüchtig auf Teil zwei)

2. „Die Legende der Alaburg“ von Greg Walters (Asche auf mein Haupt, habe Teil zwei immer noch nicht gelesen, aber meine Frau und sie sagt, ich muss es unbedingt noch tun.)

3. „Kick ins Leben“, „Rausgekickt – blaue Vögel“ und „Tote Models nerven nur“ von Vera Nentwich (Teil vier fehlt mir noch, freue mich aber schon auf Teil 5!!)

4. „Sturm im Zollhaus“ von Wolke de Witt (es wird Zeit für eine weitere Geschichte, liebe Wolke. Freue mich auf einen Kaffee im Taraxacum und ein nettes Pläuschchen)

5. „Langeooger Lügen“ von Peter Gerdes (Ich habe immer noch nicht alle von dir gelesen, du schreibst zu schnell! :D)

Tatsächlich gibt es noch viele Autoren, die ich kennengelernt habe, deren Bücher sich noch nicht in meinem Besitz befinden, aber auf die ich sehr neugierig bin.

8. Unsere kleine Bücherwelt.

Dieser kleine Blog ist für mich der Inbegriff von Unterstützung! Bei ihnen gab ich im November 2015 mein erstes Interview, dabei hatte ich meine Seite erst knapp vier Wochen vorher bei Facebook erstellt. Sie gaben mir die Möglichkeit mich vorzustellen und inzwischen sind die beiden Damen Anja und Barbara mir sehr ans Herz gewachsen. Sie freuen sich genauso doll auf Kuno, wie ich mich. Testlesen durftet ihr ja schon, aber ich warne euch, er hat sich verändert.

Es ist mir eine Freude und eine Ehre ein Teil eures Blogs sein zu dürfen und nächstes Jahr nicht nur zukünftiger Autor zu sein, sondern Autor und mich an euren tollen Aktionen aktiv zu beteiligen.

9. Nicole Fricke.

Oder auch die Frau mit den Katzenbildern…. Gut, ich bin ganz ehrlich, ich ignoriere sie, also nicht Nicole, sondern ihre Katzenposts. Ihre boshaften, sarkastischen und verrückten Reposts von den unterschiedlichsten Facebook-Seiten bringen mich immer wieder zum Lachen und ersparen mir das sinnlose Liken von abgefuckten Seiten, da sie mir das Beste immer wieder präsentiert. Danke dafür!!!

10. Mein Blog.

Gut, er findet nicht so regelmäßig statt, wie ich es gerne hätte und die Reichweite ist nicht die, die ich mir wünsche, aber meine kurzen Anekdoten mit philosophischen (‚aka Bauchnabelfussel‘, ‚Irren ist ein Hundehaufen‘ oder ‚Liebe ist...´), moralischen (‚Leben im Ghetto der Spießigkeit‘ ‚Moral des Staubsaugens‘ oder ‚ich pflaster‘ mir die Welt‘) und spaßigen (‘Der Pinguin in meinem Bett‘) Geschichten erfreuen mich immer wieder und bringen mir ein Lächeln ins Gesicht, wenn ich euch damit eine Freude machen kann.

Fast wöchentlich fallen mir neue Ideen für weitere kurze Geschichten ein. Irgendwann werde ich sie alle schreiben und dort für jedermann und -frau (immer dieser Genderwahn)veröffentlichen, aber bis dahin wird es sehr unregelmäßig dort vorangehen.

Wie ihr seht war das Jahr 2016 gar nicht so schlecht. Auf die Perspektive kommt es an.

Ich wünsche euch allen einen guten Rutsch und Start ins neue Jahr 2017. Möge es politisch, gesellschaftlich und kulturell wieder menschlicher werden und alle wieder mehr Freude am Leben haben.



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